Fechtverein

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Fechtverein Kakerbeck von 1903

 

 

Kakerbecker Fechtverein 1903

1903 wurde der Fechtverein in Kakerbeck gegründet.

Aber warum „Fechtverein“ und nicht z. B. Verein für Waisen?

Das hat einen geschichtlichen Hintergrund

- bis Ende des 17. Jahrhunderts wurde in kriegerischen Auseinandersetzungen mit

  dem Degen gekämpft

- dann kamen Schusswaffen in Gebrauch

- viele Fechtmeister wurden arbeitslos

- so taten sie sich zusammen und zogen in Gruppen über die Dörfer

- sie versuchten, mit „Vorführungen“ (Show - Kämpfen) ihren Lebensunterhalt zu

  verdienen

- im Volksmund entwickelte sich der Ausdruck „Fechten“ für Bettelei und Land-

  streicherei, es entstand der Begriff „Fechtbrüder“

- sogar im Duden finden wir heute noch unter dem Begriff „Fechtbruder“

  Landstreicher und Bettler

 

Reichsfechtschulen, deren Gründer Heinrich Nadermann war, waren also Bettelvereine zugunsten von Waisen.

 

Heinrich Nadermann, er lebte von 1835 bis 1907, wuchs selbst in dürftigen Verhältnissen auf. Er verlor seine Eltern, als er etwas über 10 Jahre alt war und

wuchs dann bei seinem Onkel, einem Geistlichen, auf.

 

Nach der Schule begann er eine Ausbildung bei der Post.

 

Im November 1858 trat er der Versicherungsgesellschaft Thuringia bei, wurde Oberinspektor und schließlich Generalagent und Hauptaktionär der Thuringia in Magdeburg.

Er war ein erfolgreicher Geschäftsmann und Armenrat in Magdeburg. Er gehörte so zur Oberschicht.

 

Sein persönliches Schicksal führte dazu, dass er im Oktober 1880 in Magdeburg einen Verein zur Waisenpflege gründete, der sich kurze Zeit später „Deutsche Reichsfechtschule“ nannte.

 

In seiner Funktion als Armenrat kannte und sah er die Unzulänglichkeiten staatlicher Waisenpflege vor ca. 140 Jahren.

 

Sein Ziel: Nicht nur Almosen sammeln, sondern Dauerhaftes schaffen:

Eine menschenwürdige Versorgung, Erziehung und Ausbildung für die Waisen.

 

Darum baute er mit großem persönlichen Einsatz die Waisenhausbewegung auf.

 

Der Magdeburger Verein war Ausgangspunkt für etwa 13 000 Fechtschulen in ganz Deutschland mit 400 000 Fechtbrüdern und -schwestern.

 

„Aus Wenig wird Viel“ war das Leitmotiv der Deutschen Waisenhausbewegung.

 

Blecherne Sammelbüchsen standen zu Tausenden in Geschäften, Gasthäusern und Ämtern.

Wenn jemand eine Spende hineingab, wurde ein Glöckchen ausgelöst.

 

In Heinrich Nadermanns Waisenhäuser wurden Kinder jeglicher Herkunft und Glaubensrichtung aufgenommen:

evangelische, katholische, jüdische und konfessionslose.

Alle wurden gleich behandelt – für Nadermanns Zeiten etwas Ungeheures.

 

So hatte er manchen Streit mit der staatlichen und geistlichen Obrigkeit.

 

Diese Waisenhäuser waren keine Anstalten im herkömmlichen Sinne.

Die Kinder sollten spielend, lernend und gesund aufwachsen.

 

Es waren Heime mit päd. Betreuung und geschultem Personal. Es sollte das fehlende zu Hause ersetzt werden.

Es gab auch keine einheitliche Anstaltskleidung.

Die Kinder besuchten öffentliche Schulen und wurden in eine Berufsausbildung vermittelt.

 

7 Waisenhäuser gab es.

Das in Salzwedel war das Vierte und wurde 1899 eingeweiht. Es ist das große Haus in der Schillerstraße.

Hausvater war der Lehrer Hörmann mit seiner Frau.

Es gab auch einen Waisenhausvorstand.

Die Einrichtung bestand bis Ende der dreißiger Jahre und wurde 1939 in ein Reservelazarett umgewandelt. Im Laufe der Jahre wurde es ganz unterschiedlich genutzt.

 

Heinrich Nadermann verbrachte die letzten Lebensjahre, von 1899 bis zu seinem Tod, in Meßdorf. Obwohl er gesundheitlich schon sehr angegriffen war, brachte er sich aktiv in das Dorfleben ein und war ein gefragter Ratgeber.

1993 gab es in Meßdorf eine Nadermann – Ehrung, um sein Werk wieder ins Gedächtnis zu rufen. Das Denkmal für ihn wurde aus diesem Anlass restauriert.

 

 

Was gibt es nun über den Fechtverein Kakerbeck zu berichten?

 

Das ist leider nicht sehr viel. Das Wenige hat Frau Ilse Voß recherchiert, als sie als Chronistin der Gemeinde Kakerbeck gearbeitet hat.  1996 bis 1998

 

Mitgliederlisten oder andere Unterlagen sind nicht erhalten geblieben.

 

Drei Mitglieder waren: Ernst Wolter, Hermann Bismark, Otto Wille

 

Auf jeden Fall war ein Vorfahr von Lotte Wolter dabei, denn bei ihr lag die Fahne auf dem Boden.

Lotte Wolter gab die Fahne an Herrn Käbel (Teddy) , Kreisreporter der Volksstimme, weiter.

 

Als er Kalbe verließ, übergab er sie an Frau Osminski. 1996 arbeitete sie in der Tourist - Info beim Rat der Stadt Kalbe. Dort war sie erst einmal gut aufgehoben.

 

Dann erfuhr Herr Dipl. Historiker Lenz, damals Bürgermeister aus Meßdorf, von der Existenz einer Fahne eines Fechtvereins und dachte sicher, sie müsste ja eigentlich nach Meßdorf, denn in Meßdorf ist ja die Grabstätte von Heinrich Nadermann.

 

Durch die Initiative von Frau Voß ist die Fahne von Meßdorf zurück nach Kakerbeck gekommen und seit dem 18.04.1996 wieder hier im Ort.

 

Viele Jahre lag sie im Dorfgemeinschaftshaus. Zur 620 – Jahr - Feier 2014 wurde sie in der Reithalle im Rahmen einer Ausstellung zur Geschichte Kakerbecks gezeigt und recht unsanft behandelt. (Mit Reißzwecken befestigt.) Nun wurde es Zeit, sie wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen und sie fachmännisch restaurieren zu lassen.

 

Über den Fechtverein hat Frau Voß 1998 einiges im Klötzer Wochenblatt gelesen.

 

27.10.1912: Fechtball in Kakerbeck mit Rehbockauskegeln bei Gastwirt Siebert.

 

10.10.1913: Sonntag, 16.11. Wintervergnügen des hiesigen Fechtvereins bei Herrn

                    Gastwirt Siebert       

                                                      Der Vorstand

 

7.3.1920:  Fechtverein ladet zum Ball ein.

                                                       Der Vorstand

 

29.1.1921: Am Sonntag, 6.Februar feiert der Fechtverein Maskenball im Saal Trumpf.

                  Anfang des Tanznachmittags      2 Uhr

                  Anfang des Maskenballs             7 Uhr

 

Es gab also ein recht geselliges Vereinsleben.

 

 

Nicht nur die Fahne liefert viele Informationen. Auf der Fahnenstange sind einige Fahnennägel angebracht.

Von einer sehr kleinen ist nur noch eine Hälfte vorhanden. Sie enthält vermutlich den Hersteller der Fahnenstange. Vom Namen sind die letzten Buchstaben erhalten: hter“,

...lieferant, ...gr. 1869

 

Die Fahnennägel sind aus Silber und unterschiedlich aufwendig verziert.

Sie enthalten folgende Inschriften:

 

-  Fechtschule Wernstedt  1907

-  Gew. v. Fechtverein Bühne  1925

-  Fechtverein Schenkenhorst  1925

-  Gest. v. Fechtverein Freundschaft Zethlingen  26.7.25

-  Zur Fahnenweihe    gew. v. Fechtverein Güssefeld    26.7.25

-  Gew. v.  Sportverein Kaklerbeck   26.7.25

-  Gew. v.  Krieger - Verein Kakerbeck   26.7.25

   

 

Die Spitze aus Messing ist am Rand mit Eichenlaub verziert und enthält in der Mitte zwei verschränkte Hände. Sie sind aus einem anderen silberglänzenden Metall.

 

Zur Fahne gehört auch eine Quastengarnitur, die von den Begleitern oder Begleiterinnen des Fahnenträgers gehalten wurden.

 

Beschreibung der Fahne

 

- Inschrift auf der Samtseite:  Fechtverein Kakerbeck;  gegr. 1903

- verziert mit gestickten Linien und Bögen

- im unteren Teil im Halbkreis zwei Girlanden aus Eichenlaub, die mit einer roten

  Schleife verbunden sind

- in den Ecken Eichenlaubblätter

 

- helle Seite aus reiner Seide musste durch Fahnenrips in creme ersetzt werden,

  ein Mischgewebe aus Kunstfasern und Baumwolle

- Stickereien wurden ausgebessert, zum Teil vom alten Grundstoff abgetrennt und

  auf den neuen unauffällig angestickt

- Inschrift des umlaufenden Schriftbandes:   Viel Wenig machen ein Viel

                                                                    Vereinte Kräfte führen zum Ziel!

- orangefarbene und schwarze Buchstaben auf cremefarbenem Stoff gestickt sollen

  vermutlich die Farben des damaligen Kaiserreiches darstellen

- blaue Sammelbüchse bildet den Mittelpunkt, umgeben von Getreideähren

- auch auf dieser Seite in den Ecken gestickte Eichenblätter als Symbol für Kraft

  und Stärke

 

Weitere Indormationen

 

Fechtverein Kakerbeck

Gegründet:  1903

 

Mitglieder: Ernst Wolter, Hermann Bismark, Otto Wille

 

Aufbewahrung der Fahne durch Frau Lotte Wolter.

 

Weitergabe an Herrn Hans Käbel (Teddy) , Kreisreporter der Volksstimme Kalbe um die 1970er Jahre.

 

Überlassung an Frau Osminski – Tourist – Information beim Rat der Stadt Kalbe/Milde.

 

Durch Herrn Dipl. Historiker Lenz gelangte die Fahne nach Meßdorf, wo sich die Grabstätte  von Heinrich Nadermann befindet.

 

Auf Initiative von Frau Ilse Voß, 1996 Ortschronistin von Kakerbeck, kam die Fahne am 18.04.1996 nach Kakerbeck zurück.

 

2014 wurde sie erstmals wieder anlässlich der 620 - Jahrfeier der Gemeinde Kakerbeck öffentlich gezeigt.

 

Inschrift auf der Samtseite:   Fechtverein Kakerbeck

                                                      gegr. 1903

 

Verziert mit gestickten Linien und Bögen, im unteren Teil im Halbkreis um die Schrift mit zwei Girlanden aus Eichenlaub, die mit einer roten Schleife verbunden sind.

In den Ecken Eichenlaubblätter.

 

Die helle Seite aus Reiner Seide musste  durch Fahnenrips in creme ersetzt werden. Stickereien wurden ausgebessert, zum Teil vom alten Grundstoff abgetrennt, auf den neuen übertragen und unmerklich angestickt.

 

Inschrift des umlaufenden Schriftbandes:  Viel Wenig machen ein Viel

                                                                   Vereinte Kräfte führen zum Ziel!

 

Die Farben der Buchstaben in orange und schwarz auf creme gestickt sollen vermutlich die Farben des damaligen Kaiserreiches (schwarz, weiß und rot) darstellen.

 

Die blaue Sammelbüchse bildet, umgeben von Getreideähren, den Mittelpunkt.

 

Auch auf dieser Seite gestickte Eichenlaubblätter in den Ecken: Das Symbol für Kraft und Stärke!

 

Passende Fransen an 3 Seiten ergeben einen schönen Abschluss.

 

Die Quasten - Garnitur wurde von den Begleitern oder Begleiterinnen des Fahnenträgers gehalten. 

 

Auf der Fahnenstange sind Fahnennägel der   Fechtschule Wernstedt,

                                                                         Fechtverein Bühne,

                                                                         Fechtverein Freundschaft Zethlingen,

                                                                          Fechtverein Güssefeld,

                                                                         Sportverein Kakerbeck,

                                                                         Krieger-Verein Kakerbeck.

 

Die Spitze aus Messing ist am Rand mit Eichenlaub verziert und enthält in der Mitte zwei miteinander verschränkte Hände.

 

 

Heinrich Nadermann  (1835 – 1907)

 

- Begründer der Waisenhausbewegung in Deutschland

- wuchs selbst in dürftigen Verhältnissen auf

- verlor seine Eltern mit etwas über 10 Jahren

- wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann

- gründete 1880 in Magdeburg „Deutsche Reichsfechtschule“

- Ausgangspunkt für 13 000 Fechtschulen in ganz Deutschland

- Sammelbüchsen zu Tausenden in Geschäften, Gasthäusern und Ämtern

- baute 7 Waisenhäuser, auch eins in Salzwedel, mit pädagogischer Leitung

- sein Ziel: Eine menschenwürdige Versorgung, Erziehung und Ausbildung der Waisen.   

 

 

 

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